Feingewebliche Einteilung, Aggressivität und Ausbreitung des Tumors
Die Behandlung des Prostatakarzinoms, aber auch die Prognose und die Überlebenschancen des Patienten hängen davon ab, wie fortgeschritten und aggressiv der Tumor ist. Zunächst geben der PSA-Wert sowie der Biopsie-Befund darüber Auskunft.
Das Prostatakarzinom wird anhand der feingeweblichen Untersuchung (Histologie) im Anschluss an die Biopsie unterteilt. In 95% der Fälle handelt es sich um ein Prostatakarzinom, das Adenokarzinom genannt wird, da die Krebszellen den Drüsenzellen der gesunden Prostata ähnlich sind.
Sehr selten entsteht ein Tumor im Zwischengewebe der Prostata – also im Muskel- oder Bindegewebe. Man nennt diese Tumoren Sarkome. Ausserdem werden in der Prostata in sehr seltenen Fällen Metastasen gefunden, die aus anderen bösartigen Tumoren in der Nähe der Prostata stammen.
Gleason-Score
Zur Beurteilung der Aggressivität des Prostatakarzinoms wird der Differenzierungsgrad d.h. die Abweichung des Tumorgewebes vom normalen Prostatagewebe festgestellt. Dazu wird das Bewertungssystem nach Gleason eingesetzt, das dem Differenzierungsgrad des Tumorgewebes Zahlen zuordnet. Prostatakarzinome, die normalem Prostatagewebe sehr ähnlich sind, also einen hohen Differenzierungsgrad aufweisen, bekommen eine niedrige Zahl (im Minimum 1). Diese Karzinome weisen die geringste Aggressivität (auch Malignität genannt) auf. Karzinome, die sich stark vom normalen Gewebe unterscheiden, also einen geringen Differenzierungsgrad aufweisen, erhalten höhere Zahlen (im Maximum 5) und sind die aggressiveren Tumoren resp. diejenigen mit einer höheren Malignität.
Es werden immer zwei Gleason-Grade pro Karzinom vergeben. Einen Gleason-Grad, also eine Zahl von 1 bis 5 erhalten immer das vorherrschende sowie das zweithäufigste Gewebsmuster, so dass dem jeweiligen Prostatakarzinom ein sogenannter Gleason-Score zugeordnet wird, der sich aus zwei Zahlen zusammensetzt. Bspw. hat ein Prostatakarzinom einen Gleason-Score von 3 + 4, wenn überwiegend Krebszellen mit dem Differenzierungsgrad 3, am zweithäufigsten Krebszellen mit dem Differenzierungsgrad 4 unter dem Mikroskop gefunden werden. Ein Prostatakrebs mit einem Gleason-Score 3 + 4 weist schlussendlich eine mittlere Aggressivität resp. Malignität auf, was wiederum bei der Therapieentscheidung als auch für die Prognose zu berücksichtigen ist.

Gleason Score
TNM-System
Die Ausbreitung resp. das „Stadium“ des Krebses wird in erster Linie mit Hilfe des TNM-Systems beschrieben, wobei die Grösse resp. die lokale Ausbreitung des Tumors, das Vorliegen lokaler Lymphknotenmetastasen und das Vorliegen von Metastasen in entfernten Lymphknoten oder in anderen Organen bewertet werden. Die lokale Ausbreitung des Tumors wird mit Hilfe der digital-rektalen Untersuchung (DRU), sowie der Biopsie ferner anhand einer bildgebenden Untersuchung wie bspw. der transrektale Ultraschall (TRUS) bestimmt. Gemäss dieser Bewertung erhält das Prostatakarzinom seine T- (“Tumor“-) Kategorie.
Die mögliche Ausbreitung des Tumors auf umliegende Lymphknoten (lokale Lymphknotenmetastasen) wird mit Hilfe der Kategorie N (von englisch: „node“ = Knoten) beschrieben. Der Befall der Lymphknoten kann zu deren Vergrösserung führen, weshalb bildgebende Verfahren wie Ultraschall, Computertomografie (CT) oder Kernspintomografie (Magnetresonanz-tomographie, MRI) zum Einsatz kommen. Am genauesten kann ein Befall der Lymphknoten bestimmt werden, indem die Knoten operativ entnommen und anschliessend mit dem Mikroskop untersucht werden. Diese Methode wird beispielsweise bei einem PSA-Wert über 10 ng/ml durchgeführt oder bei einer geplanten Bestrahlung eingesetzt.
Besteht ein erhöhtes Risiko, dass sich Krebszellen in weiter entfernte Körperregionen ausbreiten, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Am häufigsten treten Metastasen neben den lokalen Lymphknoten in den Knochen auf vorrangig in den Lendenwirbeln und Beckenknochen. Mit der Skelettszintigraphie können solche Knochenmetastasen entdeckt werden. Dazu wird ein radioaktiver – aber völlig ungefährlicher Marker – injiziert. Dieser Stoff lagert sich hauptsächlich in den Metastasen ab, wo er sichtbar gemacht wird, wodurch die Metastasen entdeckt werden können. Die Ausbreitung der Metastasen wird in der Kategorie M („Metastase“) angegeben.
Weitere Verfahren wie die Computertomografie (CT) und die Kernspintomografie (MRI) ferner die Positronenemissionstomografie (PET) ermöglichen, Metastasen zu finden und zu identifizieren. Bei einem CT werden detaillierte Aufnahmen des Körpers mit Hilfe von Röntgenstrahlen gemacht, bei einem MRI erfolgt dies mit Hilfe eines starken Magneten. So können zum Beispiel Metastasen entdeckt werden, die in die Lymphknoten vorgedrungen sind. Es besteht auch die Möglichkeit, ein Kontrastmittel zu verabreichen, um abnorme Bereiche besser erkennbar zu machen.
Prognose
Die Heilungs- resp. Überlebenschancen einer an Prostatakrebs erkrankten Person können nur schwer abgeschätzt werden. Zahlreiche Faktoren wie zum Beispiel das Alter, der allgemeine Gesundheitszustand des Patienten, das Stadium des Prostatakarzinoms, das PSA, der Gleason-Score sowie die vorgesehene Behandlung müssen bei der Prognose berücksichtigt werden.
Streichen
Sobald die erforderlichen Untersuchungen durchgeführt wurden, kann das Stadium des Prostatakarzinoms angegeben werden:
Stadium I: Kleines inzidentes (zufällig gefundenes) Prostatakarzinom Stadium II: Lokal begrenztes Prostatakarzinom Stadium III: Lokal fortgeschrittenes Prostatakarzinom Stadium IV: Metastasiertes Prostatakarzinom