Frage & Antwort: Radiotherapie mit vorheriger Hormonblockade
Frage:
PSA 6.8., Biopsie mit Zufallsbefund (2007). In der Folge „watch and wait“. PSA 7.6 und 2. Biopsie (2009), Komplettbefall der Prostata. OP im Juli 2009. Methode radikal mit Roboterunterstützung (Da Vinci). Nervenschonung beidseits. OP Befund: Adenokarzinom Gleason 7 b (4+3). An einer Stelle auf ca. 1,5 mm über Kapsel hinaus gewachsen. PSA nach OP 0.06 ng/ml, Anstieg auf 0.13 (Okt. 09) bzw. 0.17 (April 10), und nun 0.20 (Juni 10). Welche Therapie ist die beste? Bin vorbelastet (Herz), trage einen implantierten ICD (Defibrillator). Urologe schlägt Radiotherapie mit vorheriger Hormonblockade vor. Ist diese nun dringend, oder kann ich bis zum Winter zuwarten? Muss die Hormonblockade sein? Vielen Dank für Ihre Antwort.
Antwort:
Offensichtlich muss man davon ausgehen, dass es bei Ihnen jetzt zum langsamen Fortschreiten (= Progression) der Tumorerkrankung kommt, sehr wahrscheinlich im Bereich des positiven Schnittrandes (d.h. der Stelle, wo das Karzinom bereits über die Kapsel hinausgewachsen war).
Entschliesst man sich zur Behandlung, ist in dieser Situation tatsächlich eine lokale Bestrahlung die Therapie der Wahl. Verschiedene gross angelegte Studien haben in den letzten Jahren gezeigt, dass die Rate eines erneuten lokalen Rückfalles (= Lokalrezidiv) mit einer begleitenden (= adjuvanten) Hormonbehandlung tiefer ist als ohne. Die Dauer der adjuvanten Behandlung ist zwar länger als die der Bestrahlung, sie ist aber begrenzt und beträgt maximal 3 Jahre.
Der genaue Zeitpunkt des Therapiebeginnes ist nicht festgelegt. Persönlich bin ich der Meinung, dass man ohne weiteres auch mehrere Wochen zuwarten kann.
Ich empfehle Ihnen also auch eine lokale Radiotherapie mit adjuvanter Hormonbehandlung.
Dr. med. M.O, Hergiswil – CH-DOC.11.03.02