Nachsorge nach einer Chemotherapie beim metastasierten Prostatakarzinom
Dr. med. Rudolf Morant, Tumorzentrum ZeTuP, Rapperswil-Jona
Wie geht es weiter nach Abschluss einer Erstlinien-Chemotherapie?
Hat der Patient die Erstlinien-Chemotherapie mit Ihren Nebenwirkungen hinter sich, so hat er hoffentlich eine gute Zeit bei guter Lebensqualität vor sich zu wissen. Die Nachsorge nach einer Chemotherapie bei einem fortgeschrittenen Prostatakarzinom unterscheidet sich jedoch von der Nachsorge bei Tumoren, bei denen die Behandlung abgeschlossen ist. Bei Patienten mit fortgeschrittenem Prostatakrebs und Metastasen muss dieser als chronische Erkrankung aufgefasst werden und der Therapieabschluss als Pause und nicht als Ende der Therapie angesehen werden.
Aus diesem Grund empfiehlt es sich weiterhin in Kontrolle in Ihrem Behandlungsnetz beim Onkologen, wie auch Urologen und Hausarzt zu bleiben. Dies gibt Ihnen die Sicherheit, dass die Krankheit auch ohne Tumorbehandlung unter Kontrolle bleibt und bei erneutem Fortschreiten die richtigen Massnahmen eingeleitet werden. Die beste Unterstützung erhalten Sie in einem Team oder Behandlungsnetzwerk mit Beteiligung verschiedener Spezialitäten und Fachrichtungen.
Gute Zeiten ohne Therapienebenwirkungen sind eine günstige Gelegenheit, Dinge zu unternehmen oder zu erledigen, die Sie schon lange wollten oder sollten. Diese können beispielsweise eine Reise sein, eine Geschäftsübergabe oder private familiäre Aufgaben und Verwandtenbesuche.
Es ist auch wichtig, das Leben gesund zu leben, mit genügend Schlaf, ausgewogener Ernährung und angepasster Bewegung und so den Körper und dessen Widerstandskräfte möglichst aufzubauen. Ein solches Verhalten wirkt lebensverlängernd und hilft mögliche spätere Therapien besser zu ertragen.
Manche Behandlungen gehen auch nach Beendigung einer Chemotherapie weiter, wie meistens die antihormonellen Injektionen und Massnahmen zur Aufrechterhaltung der Knochenstruktur mit sogenannten „knochenhärtenden“ Therapien.
Bei den regelmässigen ärztlichen Konsultationen werden mögliche Nachwirkungen der Chemotherapie beobachtet, die Tumoraktivität kontrolliert und eventuell neue Symptome abgeklärt und behandelt. So muss bei Patienten mit bekannten Knochenmetastasen und starken Rückenschmerzen ausgeschlossen werden, dass eine Metastase auf die Nervenbahnen im oder beim Rückenmark drückt. Falls dies nicht oder zu spät erkannt wird, kann dies zu Lähmungen führen.
Falls wieder eine verstärkte Tumoraktivität beobachtet wird, muss der beste Zeitpunkt für einen Wiedereinstieg in eine Therapie gewählt werden. Oft kann eine erneute Behandlung mit der zuvor erhaltenen Erstlinien-Chemotherapie begonnen werden, wenn die Behandlung das erste Mal erfolgreich verlaufen war. Heute sind jedoch auch weitere neue Medikamente in dieser Situation erhältlich, insbesondere ein neues Hormonpräparat, und ein neues Zytostatikum für die Zweitlinien-Chemotherapie. Wann welches Medikament eingesetzt werden soll, besprechen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Onkologen.
Dieser Beitrag wurde von Dr. Rudolf Morant für die Website derprostatakrebs.ch verfasst. Für den Inhalt ist der Autor verantwortlich.